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Ich bin Mensch, lasst mir meine Blase

Ach Welt. Was wurde nur aus dir? Was nicht so alles passiert auf unserem Planeten. Neben Semi-positiven Neuem, wie das Verlagern des Lebens in die Cloud, weiß das Weltgeschehen auch nicht mit Schockmomenten zu sparen. Hier ein Anschlag, dort ein Krieg – es reicht! Zeit zurück in die metaphorische Blase zu ziehen.

Erinnert ihr euch noch an naive Jugentage, in denen euch nahezu nichts geschockt hatte, was außerhalb eures persönlichen Einflusskreises lag? DAS war (zumindest für mich) noch wirklich Leben – leben in einer metaphorischen Blase. In dieser ging es uns gut, wir fühlten uns Wohl und sicher. Doch mit dem Heranwachsen änderte sich auch unsere Weltanschauung. Wir nahmen Konflikte bewusster wahr, erkannten den Einfluss des Weltgeschehens auf die Wirtschaft, was wiederum direkte Auswirkungen auf unser Leben nahm, und so weiter. Wir ersetzten das viele positive durch nachhaltig negative Eindrücke. Oder kurz: wir haben unsere Blase platzen lassen. Doch  ist das jetzt gut oder schlecht?

Muss ich wirklich schon raus?

Geht man der Gesellschaft nach, so ist es ein notwendiges Übel, sich früher oder später aus seiner eigenen (Kindheits-)Blase zu befreien. Es wird mit dem Erwachsenwerden assoziiert und gilt als Teil des persönlichen Reifens. Der genaue Nutzen jedoch ist nicht ganz klar. Wieso sollte das Weltgeschehen einen Einfluss auf mein persönliches Verhalten nehmen? Stellt es jetzt eine Bedrohung für mich dar wenn in Süd-Ost Asien eine Bombe explodiert oder sollte ich persönlich Stellung in einem Konflikt beziehen in welchen ich doch gar nicht involviert bin? Ich finde nicht. Das klingt zunächst extrem egoistisch. In mancher Hinsicht mag es das auch sein, doch lasst mich kurz darauf eingehen, wieso ich das so sehe:

Selbstverständlich ist es furchtbar, was auf der Welt passiert, keine Frage. Doch was genau bewirkt das „zur Kenntnis nehmen“ und „Stellung beziehen“ denn eigentlich wirklich? Nur wer aktiv eingreift kann auch etwas verändern. Da hilft es auch nicht, wenn man wild Likes auf Facebook, Instagram oder sonstigen sozialen Medien sammelt und zum „Share if you care“ aufruft. Hier ist im besten Fall die Sensations- und Schaulust der Betrachter befriedigt, denn das digitale Monster – Internet – will gefüttert werden und der Vorzeigenachbar braucht noch etwas aktuelles über das er schimpfen kann.  Wirklich aktiv werden nur die wenigsten. Und sind wir ehrlich zu uns selbst wird schnell klar, die Wahrscheinlichkeit, dass wir aktiv in das Weltgeschehen eingreifen ist doch relativ gering.

Vom Regen in die Traufe

Genauer betrachtet wird an diesem Beispiel eines deutlich: Wir haben unsere metaphorische Blase nie wirklich verlassen. Vielmehr verlagern wir unsere Leben von der einen Blase in die Andere – also einen Sprung in eine neue, selberschaffte „Sicherheit“. Wir brauchen Sie, unsere kleine, behütete Zone, in der wir uns sicher und  zuhause fühlen. Unser kleines Stück Erde aus dem wir nach außen schimpfen und schreien können soviel wir wollen. Was in unserer Kindheit unser Zuhause und die kindliche Naivität war ist heute unser verbaler Kriegsschauplatz, das Internet und dessen endlose Tiefen. Wir beobachten alles argwöhnisch aus der Vogelperspektive und meinen jede noch so kleine Feinheit im Detail verstanden zu haben und geben natürlich unseren hochqualifizierten Senf zu dem gelesenen ab – und das alles im Schutze der Anonymität des World Wide Webs und der nötigen Distanz. Natürlich, denn wer will sich auch schon seine Hände dreckig machen oder ernsthaft mit etwas befassen wenn andere das für einen tun?

Das digitale „Chef-Sein“ formiert sich immer mehr zu einer Volkskrankheit, an der nicht nur wir Deutschen, sondern die Menschheit im Ganzen erkrankt. Das Babo-Netz nimmt zunehmend asoziale Strukturen an. Schon längst findet eine digitale Gruppenbildung und statt – ein ähnliches Phänomen wie es noch damals auf dem Pausenhof der Fall war. Das Internet ist ein Spiegel unserer Gesellschaft und wer sagt, dass ihm gefällt was er da sieht, sollte (in meinen Augen) dringlichst den Arzt seines Vertrauens aufsuchen.

Denkt doch einer an die Kinder

Ehrlich gesagt wünsche ich mich gerne zurück in meine Kindheitsblase. Zurück in die behütete Zeit in der meine Eltern hütend die Hand über mich hielten. Heute bin ich selbst Vater und es ist nun meine Aufgabe die Hand schützend über meine Kinder zu halten. Doch ich fühle mich noch nicht bereit dafür – wie kann ich auch. Der Druck der heutzutage auf Eltern lastet wird zunehmend unerträglich. Es ist schwerer den je seine Kinder von Einflüssen  zu schützen und ihnen helfend bei der Charakterentwicklung beizustehen. Jeder weiß es besser, alle haben etwas zu sagen und jeder bewertet seinen Nächsten nach eigenem Maßstab. Wie soll man hier noch der Allgemeinheit gerecht werden? Wie soll ich meine Kinder vor all dem Schützen und ihnen die gleiche vermeintlich Heile Welt vorgaukeln in der ich noch aufwuchs?

Kein Tag vergeht ohne das ich irgendeine unnötige Meldung über Terrorismus, den türkischen Präsidenten oder Inlandskonflikte lesen muss. Politiker, die sich aufplustern, Menschen die nach Gewalt und Vergeltung schreien, Kinder, die viel zu früh ,mit Gräueltaten konfrontiert werden. In so einer Welt möchte ich wirklich nicht leben. Es ist ein Trauerspiel, was wir als Menschheit in der Gesamtheit hier abliefern.

Danke für deine Stimme! Erzähl der Welt wie du dich fühlst: .
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Sven Mieke

Sven Mieke ist der Schöpfer des Slyced.de Online-Magazins und passionierter Blogger seit 2014.

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